| Pressemitteilung 13.05.2005 Polizeiliche Kriminalstatistik 2004 für den Regierungsbezirk Karlsruhe und besondere Kriminalitätsphänomene; Anstieg der registrierten Straftaten Aufklärungsquote auf hohem Niveau | ||
| Islam-Holdings - wie Deutschtürken von islamischen Geschäftemachern betrogen werden- | ||
| Weitgehend unbemerkt von der deutschen Öffentlichkeit
waren nicht nur türkische Mitbürger in Deutschland, sondern auch im europäischen
Ausland von einem Finanzskandal betroffen, der vom Ausmaß her die schlimmsten
Betrügereien am Neuen Markt in den Schatten stellt. Seit Mitte der 90er
Jahre machen türkische Geschäftsleute Jagd auf die Spargroschen ihrer in
Europa lebenden Landsleute. Schätzungsweise zwischen 600.000 und 800.000 Türken haben europaweit ihre Lebensersparnisse in der Größenordnung von etwa 2 Milliarden Euro beim Erwerb so genannter Beteiligungen an diversen Islam-Holdings verloren. Die türkischen Geldeinsammler trafen ihre Landsleute, die sie als Kunden gewinnen wollten, in den Räumen islamischer Gemeinschaften oder sprachen sie in Moscheen an. Sie machten sich dabei zu Nutze, dass der Koran den Gläubigen untersagt, Zinsgewinne anzunehmen und boten anstelle der traditionellen Spareinlage den "Koran konformen" Erwerb von Gesellschaftsanteilen mit Anspruch auf Gewinnbeteiligung an. |
||
| Nach gesicherten Erkenntnissen wurden von der in Deutschland aktiven Anlagegesellschaft, die als Verwaltungs-GmbH firmierte und in Hessen ihren Sitz hatte, von 1999 bis 2001 bei etwa 16.000 Kapitalanlegern insgesamt über 182 Mio. Euro eingesammelt. Dadurch waren sie "auf dem Papier" zu stillen Teilhabern an der besagten GmbH geworden. Den gutgläubigen Anlegern wurde in der Regel Renditen in Höhe von 20 % p. a. sowie die Möglichkeit der sofortigen Rückzahlung ihrer Einlage versprochen. Tatsächlich wurden rund 40 Mio. Euro als angebliche Gewinnbeteiligung wieder zurückbezahlt. Diese Gelder stammten allerdings nicht aus erwirtschafteten Gewinnen. Vielmehr war es "frisches Anlagekapital", das man im Stile des "klassischen Schneeballsystems" ausschüttete. | ||
| Insgesamt blieben die versprochenen Gewinne aus, weil defizitäre Tochterfirmen - u. a. eine Kaufhauskette im Rhein-Neckar-Raum - am finanziellen Tropf der Mutter hingen. Auch Finanzspritzen in der Größenordnung von ca. 35 Mio. Euro konnten deren Pleiten nicht verhindern: im Sommer 2002 musste Insolvenzantrag gestellt werden. Und die "übrigen Investitionen", wie beispielsweise als Darlehen bezeichnete (Bar-)Geldtransfers in die Türkei oder Kreditausreichungen an undurchsichtige Gesellschaften, insbesondere in islamistische Länder der ehemaligen Sowjetunion, standen von Anfang an auf tönernen Füßen und sind definitiv verloren. Über das Vermögen der Verwaltungs-GmbH wurde im Januar 2004 das Insolvenzverfahren eröffnet. Das werthaltige Firmenvermögen war zu diesem Zeitpunkt auf magere 1,5 Millionen Euro geschrumpft. Diese Erkenntnisse veranlasste die Schwerpunktstaatsanwaltschaft Mannheim gegen die Verantwortlichen der türkischen Firmengruppe, insbesondere gegen den Gründer und Gesamtverantwortlichen des Imperiums, der von der Türkei aus die Fäden zieht, gegen dessen Schwager - quasi den Statthalter in Deutschland - und weitere 13 Beschuldigte ein Sammelverfahren zu führen. Ermittelt wird wegen des Verdachts des Betruges und Untreue in besonders schwerem Fall, wegen Geldwäsche und Insolvenzdelikten. Schwierig gestalteten sich die Ermittlungen auch deshalb, weil nahezu alle Geschäftsunterlagen in türkischer Sprache abgefasst waren. Zudem beherrschte eine Vielzahl der Beteiligten und Zeugen nur ihre türkische Muttersprache. Hilfreich zeigte sich hierbei der Einsatz einer türkisch sprechenden Polizeibeamtin. | ||
| Bei der LPD KA wurde dafür die Ermittlungsgruppe "Koran" eingerichtet. Zwischenzeitlich befinden sich drei Beschuldigte türkischer Nationalität in Untersuchungshaft, von denen einer nach Hinterlegung einer Kaution mittlerweile wieder auf freien Fuß gesetzt wurde. Die Ermittlungen laufen in enger Absprache mit der Schweizer Bundesanwaltschaft. Dort ist ebenfalls ein Verfahren wegen banden- und gewerbsmäßiger Geldwäsche und gewerbsmäßigen Betrugs anhängig, das unübersehbare Zusammenhänge und Übereinstimmungen (Vertriebswege, Verkaufsargumente, Geschädigtenkreis u.a.) mit dem deutschen Komplex aufweist. Das in der Schweiz durch Ausgabe von Namensaktien angesammelte Kapital beträgt ungefähr 115 Mio. SFR." | ||